Afrika bei der WM 2026

Afrika schickt 2026 so viele Mannschaften wie noch nie: zehn Teams reisen nach Nordamerika. Von alten Hasen bis zu Newcomern ist alles dabei. Hier eine kurze Vorstellung.


Marokko – Die Atlas-Löwen wollen mehr

Nach dem sensationellen Halbfinale 2022 ist Marokko zurück – und diesmal wollen sie mehr. Die Atlas-Löwen haben bewiesen, dass sie auf Augenhöhe mit den Besten der Welt mitspielen können. Mit einer Defensive, an der sich 2022 gleich mehrere Europäer die Zähne ausbissen, und Spielern wie Achraf Hakimi gehen sie selbstbewußt ins Turnier. Wer sie unterschätzt, lernt es spätestens im Achtelfinale.


Senegal – Die Löwen der Teranga

Senegal gehört zu den konstantesten Kräften Afrikas und kommt als amtierender Afrika-Cup-Sieger nach Nordamerika. “Teranga” bedeutet auf Wolof Gastfreundschaft – auf dem Platz ist davon traditionell wenig zu spüren. 2002 erreichte Senegal das Viertelfinale, 2022 war im Achtelfinale Schluss. Mit dem Kontinentaltitel im Gepäck hat man jetzt aber noch einen Grund mehr, höher zu zielen.

Senegal-Fans bei der WM 2022 in Katar, mit den Nationalfarben Grün, Gelb und Rot bemalt
Senegal-Fans in der ersten Reihe – die Leidenschaft reist diesmal leider nicht nach Nordamerika. Leider wurde ihnen die Einreise verweigert.

Algerien – Mit Geschichte im Gepäck

Algerien bringt technisch starke Mittelfeldspieler und eine Leidenschaft mit, die tief verwurzelt ist. Wer die Geschichte kennt, weiß: 1982 schlug Algerien West-Deutschland 2:1 – eines der größten WM-Sensationsergebnisse überhaupt. Für alle Österreicher unter uns besonders interessant: Algerien trifft in der Gruppenphase auf Österreich. Ein Grund mehr, dieses Spiel genau im Auge zu behalten.


Tunesien – Konstant dabei, auf den großen Moment wartend

Tunesien ist WM-Veteran, aber ein wirklich großes Turnierergebnis fehlt noch. 1978 waren die Tunesier übrigens das erste afrikanische Team, das ein WM-Spiel gewann – ein Fakt, der gerne vergessen wird. Vielleicht ist 2026 das Jahr, in dem neue Geschichte geschrieben wird.


Ägypten – Mo Salah und der Rest

Wo Mohamed Salah spielt, ist Spektakel garantiert. Die Pharaonen sind seit 2018 wieder dabei und haben in Salah einen der besten Spieler seiner Generation auf dem Platz. Ägyptens WM-Geschichte reicht übrigens bis 1934 zurück – man darf also auf Erfahrung verweisen. Auf einen WM-Sieg wartet man allerdings noch.


Elfenbeinküste – Nach langer Pause zurück

Nach zwölf Jahren Pause sind die Elefanten wieder dabei. Die Elfenbeinküste hat eine neue Generation aufgebaut, die an die goldene Ära anknüpfen will. Mit einem ausgeglichenen Kader und Spielern aus europäischen Top-Ligen sind sie kein Team, das man in der Gruppenphase lieber nicht treffen möchte.


Ghana – Noch eine Rechnung offen

2010 fehlte ein Elfmeter zum Halbfinale. Seitdem tragen viele Ghanaer diesen Moment mit sich. Interessante Randnotiz: Ghana hat sich zuletzt nicht für den Afrika Cup qualifizieren können – dafür aber für diese WM. Manchmal läuft es eben so. Die Black Stars sind zurück und wollen das Kapitel abschließen. Dem Ghanamasta wird’s freuen!

Collage mit Ghana-Spieler und dem FIFA WM-Pokal
Ghana und Kamerun bei der WM – eine Geschichte voller verpasster Chancen und unvergesslicher Momente

Südafrika – Auftakt mit Rückschlag

Bafana Bafana – “die Jungs, die Jungs” – sind 16 Jahre nach ihrem Heimturnier wieder dabei. Der Auftakt war allerdings hart: Im Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Mexiko gab es eine 0:2-Niederlage, dazu zwei Platzverweise. Es liegen noch zwei Gruppenspiele vor ihnen – gegen Tschechien und Südkorea. Aufgegeben wird nicht.


Kap Verde – Der Neuling, den man nicht unterschätzen sollte

Kap Verde ist das einzige echte WM-Debüt unter den afrikanischen Teams – aber wer sie deswegen als harmlos einstuft, hat die letzten Jahre nicht aufgepasst. Beim Afrika Cup 2024 haben die Blauen Haie gezeigt, was in ihnen steckt: Gruppensieger vor Ägypten und Ghana, dann Achtelfinalsieg gegen Mauretanien per Last-Minute-Elfmeter. Im Viertelfinale war erst Schluss – denkbar knapp im Elfmeterschießen gegen Südafrika, nachdem ein Treffer in der letzten Minute der regulären Spielzeit die Crosslatte traf. Ein Tor weiter, und Kap Verde wäre im Halbfinale gestanden. Beim Afrika Cup 2021 hatten sie übrigens Ghana aus dem Turnier geworfen. Kurz gesagt: ein Inselstaat mit 600.000 Einwohnern, der sich in den letzten Jahren zur echten Überraschungsmannschaft des afrikanischen Fussballs entwickelt hat. Bei dieser WM können sie für Furore sorgen.


DR Kongo – Auf dem härtesten Weg hierher

Die Leoparden haben sich den Platz auf die mühsamste Tour verdient. Im afrikanischen Playoff-Halbfinale schlugen sie Kamerun durch ein Tor von Kapitän Chancel Mbemba in der letzten Minute der Nachspielzeit. Im Finale dann das Drama gegen Nigeria: nach 90 Minuten und Verlängerung stand es 1:1, im Elfmeterschießen gewann die DR Kongo 4:3. Danach wartete noch das interkontinentale Playoff – erst ein 1:0 nach Verlängerung gegen Jamaika, und die WM-Teilnahme war endlich Realität. Nebenbei reichte Nigeria anschliessend Beschwerde bei der FIFA ein wegen angeblich nicht spielberechtigter Spieler – die FIFA liess die Qualifikation der DR Kongo aber gelten. Zuletzt war das Land 1974 als Zaire dabei und verlor damals 0:9 gegen Jugoslawien. 52 Jahre später ist der Weg hierher alles andere als eine Selbstverständlichkeit gewesen.

DR Kongo Fan Michel Nkuka Mboladinga verkleidet als Patrice Lumumba, stehend mit erhobener rechter Hand auf einem Podest inmitten der Fans
Michel Nkuka Mboladinga verkleidete sich als Patrice Lumumba und stand – reglos, den rechten Arm erhoben – auf einem Podest, genau wie die berühmte Lumumba-Statue in Kinshasa.

Wer war Patrice Lumumba? Patrice Lumumba (1925–1961) war der erste Premierminister der unabhängigen Demokratischen Republik Kongo und eine der bedeutendsten Figuren des afrikanischen Unabhängigkeitskampfes. Er setzte sich leidenschaftlich für die Einheit und Souveränität seines Landes ein, wurde jedoch nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit 1960 gestürzt und 1961 unter ungeklärten Umständen ermordet. Heute gilt er als Nationalheld und Symbol des Widerstands gegen den Kolonialismus. Mehr dazu auf Wikipedia.


Fazit

Zehn afrikanische Teams, zehn verschiedene Geschichten. Wer 2022 noch zweifelte, ob Afrika auf diesem Niveau mithalten kann, hat spätestens nach Marokkos Halbfinaleinzug verstanden: unterschätzen ist keine gute Strategie. Bei unserem Tippspiel also bitte aufpassen mit zu schnellen Abschreibern.

Viel Spass beim Tippen!